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Erweiterung der verengten Halsschlagader
mittels Stent
Durch Implantation eines Stents konnte eine Operation
an der Halsschlagader vermieden werden
Hedwig Raucheisen aus Pörnbach ist
die erste Patientin in der Ilmtalklinik, der ein Stent in die Halsschlagader
eingesetzt wurde. Am vergangenen Dienstag wurde diese therapeutische
Maßnahme durchgeführt. Sie hat den Eingriff exzellent überstanden
und ist bereits wieder im Kreise ihrer Familie.
Die 70-jährige Patientin wurde wegen eines Schlaganfalls mit
Sprachstörung stationär eingewiesen. Nach Sicherung der
Diagnose durch die Kernspin-Tomographie konnte eine zusätzliche
Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße eine hochgradige
Verengung auf der linken Seite nachweisen.
Dr. med. Martin Lampen, leitender Oberarzt der Inneren Medizin an
der Ilmtalklinik erklärt: "Es bestand dringender Handlungsbedarf,
um einen weiteren, womöglich größeren Schlaganfall
zu verhindern. Frau Raucheisen wurde im Herzkatheterlabor unserer
Klinik untersucht und mittels einer Ballonaufdehnung und eines Stents
die linksseitige, hochgradig verengte Halsschlagader erweitert. Der
Stent verhindert die Verengung an der gleichen Stelle".
Der Internist, Kardiologe und Angiologe führt weiter aus: "Zur
Behandlung von Verengungen der Halsschlagader stehen zwei Methoden
zur Verfügung. Eine davon ist die klassische Operation durch
den Gefäßchirurgen, üblicherweise in Vollnarkose.
Diese wird seit 1954 erfolgreich praktiziert. Komplikationen sind
Wundheilungsstörungen, Verletzungen der Hirnnerven und im Langzeitverlauf
eine Wiederverengungsrate von ca. sieben Prozent". Diese Operation
wird in Deutschland pro Jahr ca. 20.000 mal durchgeführt, sowohl
bei Patienten, die bereits typische Symptome einer Halsschlagaderverengung
aufweisen, als auch bei bisher asymptomatischen Patienten.
Seit ca. 15 Jahren hat sich im Zuge der Entwicklung schonender Verfahren
die kathetergestütze Behandlung der Karotisstenose (Verengung
der Halsschlagader) zur echten Alternativmethode gegenüber der
Operation entwickelt. Eine Narkose mit künstlicher Beatmung ist
ebenso wenig erforderlich wie ein Hautschnitt und eine Narbe.
"Hier wird mit feinen Drähten, Ballonkathetern und speziellen
Gefäßstützen, den sog. Stents, die schon seit vielen
Jahren bei der Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße
und der Becken- und Beinarterien eingesetzt werden, die sog. endovaskuläre
Technik angewandt" informiert Dr. Lampen.
Der Ablauf eines solchen Kathetereingriffes gestaltet sich wie folgt:
Ein Führungskatheter wird, meist von der rechten Leistenarterie
aus, in die Arteria carotis communis (Halsschlagader neben Luftröhre
und Kehlkopf) vorgeschoben und anschließend mittels Kontrastmittelgabe
das zu behandelnde Gefäßsegment dargestellt und exakt vermessen.
Nun wird ein sehr feiner Draht mit 0,4 Millimeter Durchmesser durch
die Stenose und bis einige Zentimeter dahinter vorgeschoben.
Über diesen Draht wird zunächst ein kleiner Ballonkatheter
in die Engstelle vorgebracht und aufgedehnt. Als nächster Schritt
erfolgt dann die Plazierung eines Stents, der die gesamte Engstelle
abdeckt. Abschließend wird dieser Stent mit einem Ballon auf
die erwünschte Gefäßweite nach gedehnt.
Der Führungskatheter wird aus der Halsschlagader zurückgezogen
und kann nach einigen Stunden wieder vollständig aus der Arterie
entfernt werden. Die Einstichstelle in der Leiste wird für einige
Stunden mit einem Druckverband gesichert, damit es nicht zu Nachblutungen
kommt. Ein kleiner Bluterguß kann an der Einstichstelle noch
für einige Tage sichtbar bleiben, dieser ist aber harmlos und
wird vom Hautgewebe resorbiert. Eine Narbe bildet sich nicht aus.
Am nächsten Tag wird das Ergebnis mit Ultraschall überprüft,
der Patient kann anschließend entlassen werden. Für sechs
Monate muss eine Kombinationstherapie mit Medikamenten, die die Funktion
der Blutplättchen hemmen eingenommen werden (ASS 100 mg und Plavix
75 mg), dann nur noch ASS 100 mg/Tag. Zudem sollten Risikofaktoren
wie hohes Cholesterin oder ein erhöhter Blutzucker und hoher
Blutdruck konsequent mit Medikamenten behandelt werden. Eine strikte
Nikotinabstinenz muss dauerhaft eingehalten werden, wie das für
alle Gefäßerkrankungen generell gilt.
Erneute Katheteruntersuchungen müssen routinemäßig
nicht erfolgen, denn der Langzeitverlauf lässt sich sehr gut
ambulant mittels Ultraschallbildgebung verfolgen. Mit Wiederverengungen
im Stentbereich ist heute bei sieben Prozent der Patienten innerhalb
eines Jahres zu rechnen. Dies ist vergleichbar mit den Langzeitergebnissen
nach einer Operation. Es handelt sich also um einen sehr seltenen
Befund, der sich zudem durch eine erneute Aufdehnung bzw. Stentimplantation
behandeln lässt.
Amerikanische Analysen gehen davon aus, dass in diesem Jahr erstmals
die Stent-gestützten Kathetereingriffe an der Arteria carotis
die Anzahl der Operationen übertreffen wird.
In der Bundesrepublik ereignen sich ca. 165.000 Schlaganfälle
im Jahr, davon sind ungefähr 20 Prozent durch atherosklerotische
Veränderungen an den hirnversorgenden Arterien bedingt, ganz
überwiegend durch Verengungen an der außerhalb des Schädels
im Halsbereich befindlichen Arteria carotis interna (Halsschlagader).
Somit sind jährlich etwa 30.000 Schlaganfälle auf Verengungen
der Halsschlagadern zurückzuführen. |
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| Hedwig Raucheisen ist die erste Patientin
in der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, die einen Stent in die Halsschlagader
implantiert bekam. Diese Behandlungsweise hat sich in den vergangenen
15 Jahren entwickelt und verbreitet sich immer mehr, da sie für
den Patienten schonender ist als die herkömmliche Operationsmethode.
Dr. med. Martin Lampen führte den Eingriff durch. Dr. Lampen
ist seit Februar 2006 an der Ilmtalklinik und leitender Oberarzt der
Inneren Medizin. Er ist Internist und zusätzlich Facharzt für
Kardiologie und Angiologie. |
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