Wenn das Herz aus dem Takt kommt - Leben mit dem Herzschrittmacher

"Wenn das Herz aus dem Takt kommt - Leben mit dem Herzschrittmacher." So lautete vor kurzem das Thema des Gesundheitsforums in der Ilmtalklinik Pfaffenhofen. Dr. med. Jochen Widmaier -Internist, Kardiologe und Oberarzt der Inneren Medizin an der Ilmtalklinik- leistete mit seinem Vortrag Aufklärungsarbeit über die Notwendigkeit der Implantation eines Herzschrittmachers sowie eventuellen Störquellen im alltäglichen Leben.
Herzschrittmacher sind implantierbare Geräte, die das Herz durch elektrische Impulse zum Schlagen anregen. Sie werden eingesetzt bei Erkrankungen, die mit einem verlangsamten Herzschlag einhergehen oder sogar zum Herzstillstand führen. "Herzschrittmacher und Herz bilden eine Funktionseinheit." so Dr. Widmaier.
Das Herz ist das zentrale Kreislauforgan, welches den "Antrieb" der beiden Kreislaufsysteme darstellt. Das so genannte rechte Herz treibt den Lungenkreislauf, das stärkere linke Herz den Körperkreislauf an. Beide Herzhälften bilden jedoch eine synchron schlagende Einheit. Die Herzleistung hängt einerseits ab von der Menge des mit einem Schlag beförderten Blutes, das bedeutet von der Muskelkraft des Herzens und andererseits von der Geschwindigkeit des Herzschlags, der Herzfrequenz. Beide, sowohl Herzkraft als auch Herzrhythmus werden durch Einflüsse des Nervensystems als auch durch Botenstoffe im Blut (Hormone) an die aktuellen Bedürfnisse des Körpers angepasst. Bei Störungen von Herzkraft, Herzrhythmus und/oder der Anpassungsmechanismen kommt es zur Herzschwäche und damit zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Leistungsschwäche des Körpers.
Der Dozent erläuterte, dass ein künstlicher Herzschrittmacher sowohl bei Erkrankungen des Herzrhythmus als auch der Steuerungsmechanismen eingesetzt werden könne. Über Elektroden, isolierte Kabel die den Kontakt zum Herzmuskel herstellen, werden Herzströme zum Schrittmacher geleitet und auch elektrische Schrittmacherimpulse auf den Herzmuskel übertragen. Das Schrittmacheraggregat selbst besteht aus einem Elektrodenanschlussteil, einem elektronischen Teil und der eigentlichen Batterie.
"Die Schrittmacherimplantation ist eine kleine Operation," erklärte Dr. Widmaier "die in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann." Rechts oder links unter dem Schlüsselbein werden über einen ca. 3-4cm langen Schnitt zunächst die Elektroden über die Schlüsselbeinvene ins Herz geführt. Nach Anschließen des Schrittmacheraggregates wird dieses zwischen Haut und Brustmuskel eingelegt. Der Eingriff selbst dauert etwa 20-40 Minuten. Vorübergehende oder behebbare Komplikationen treten in etwa 3-4% auf, schwere Komplikationen sind sehr selten.
Störquellen für die Schrittmacherfunktion kommen in der Praxis nicht häufig vor. Allerdings können elektrische, elektromagnetische und magnetische Felder die Schrittmacherfunktion stören. Vom Schrittmacher fernhalten sollte man deshalb Magnete (Lautsprecherboxen, Namensschildchen mit Magnetclip o.ä.). Mobiltelefone hingegen verursachen in der Regel keine Störungen, es wird jedoch ein Mindestabstand von 25 cm zum Schrittmacher empfohlen. Ebenso sollte von Sendemasten der Mobilnetze ein Abstand von ca. fünf Metern eingehalten werden. Vermieden werden sollte ebenso der ungewollte Kontakt mit elektrischem Strom (Weidezaun), aber auch medizinischen Geräten wie z.B. Elektroakupunktur oder Reizstrom. "In medizinischen Einrichtungen sollten sich Schrittmacherträger deshalb zu erkennen geben." so der abschließende Rat von Dr. Jochen Widmaier. Im Anschluß an den interessanten Vortrag hatten die Zuhörer Gelegenheit selbst noch ein paar Fragen an den Referenten zu stellen.

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