Der eingebaute Notarzt

Wie ein implantierter Defibrillator leben retten kann. Neue Behandlungsmethode in der Ilmtalklinik Pfaffenhofen

Seit Kurzem hat die Ilmtalklinik Pfaffenhofen die Möglichkeit im Kompetenzzentrum für Herz- und Kreislauferkrankungen Herzdefibrillatoren zu implantieren. Für zahlreiche Patienten mit Herzschwäche, egal aus welchem medizinischen Grund, ist der implantierte "Schockauslöser" lebensrettend - denn eine der häufigsten Todesursachen ist der Plötzliche Herztod. Dieser tritt oft im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt auf. Andere ebenso häufige Ursachen für den plötzlichen Herztod sind Herzerweiterung und schwere Herzschwäche.
Der plötzliche Herztod kann durch einen Herzstillstand ausgelöst werden. Öfter ist der Grund jedoch eine tödliche Herzrhythmusstörung, das so genannte Kammerflimmern. Dabei zuckt und "flimmert" der Herzmuskel so schnell, dass kein Blut mehr gepumpt wird, was faktisch einem Herzstillstand gleichkommt.
Die einzige Abhilfe gegen den plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern ist die Behandlung mit einem Stromschlag, die Defibrillation. Dabei wird von außen über zwei auf die Brust gedrückte Flächenelektroden ein kurzer Stromstoß abgegeben, der durch das Herz fließt und damit das Kammerflimmern beendet. Nun kann wieder ein normaler Herzschlag einsetzen. Um den plötzlichen Herztod zu verhindern muss innerhalb weniger Minuten nach Auftreten von Kammerflimmern ein Notarzt mit Defibrillator zur Stelle sein. Die Realität zeigt uns jedoch - in dieser Situation kommt leider für die meisten Patienten jede Hilfe zu spät.
Aus diesem Grund sind vor einigen Jahren implantierbare Defibrillatoren entwickelt worden. Diese Geräte sehen ungefähr aus wie normale Herzschrittmacher. Das etwa ein Zentimeter dicke und im Durchmesser fünf Zentimeter messende ovale bis rechteckige Gerät wird unterhalb des linken Schlüsselbeins über einen ca. vier Zentimeter langen Schnitt eingepflanzt, so dass es zwischen Haut und Brustmuskel zu liegen kommt. Mit einem sehr dünnen Kabel, der Elektrode, welche über eine Vene eingeführt wird, ist das Gerät mit dem Herzmuskel verbunden.
Tritt nun Kammerflimmern auf, erkennt dies der Defibrillator und zwischen Defibrillatorgehäuse und Elektrode wird ein elektrischer Schock ausgelöst. "Dieser Schock beendet das normalerweise tödliche Kammerflimmern bereits nach wenigen Sekunden. Der Patient trägt sozusagen ständig seinen eigenen Notarzt mit sich" erklärt Dr. Jochen Widmaier, Kardiologe und Oberarzt an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen.
"Die wenigen Patienten, die einen plötzlichen Herztod durch schnelle Hilfe überlebt haben, sind stark gefährdet ein zweites Mal in eine solch lebensbedrohliche Situation zu kommen und sollten deshalb mit einem implantierbaren Defibrillator versorgt werden", so Dr. Widmaier weiter.

Ein Defibrillator (links) mit seinen Elektroden im Vergleich zu einem Herzschrittmacher (rechts).

Weitaus größer ist die Zahl der Patienten, die zwar vom plötzlichen Herztod bedroht sind, aber bisher noch nie Herzrhythmusstörungen verspürt haben. Diesen Patienten sollte vorbeugend ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt werden. Durch Untersuchungen mit vielen Patienten konnte nachgewiesen werden, dass vor allem solche Patienten von einem Defibrillator profitieren, die unter einer schweren Herzschwäche leiden. Ist die Pumpkraft des Herzens auf weniger als 30 Prozent der normalen Kraft eingeschränkt, steigt das Risiko am plötzlichen Herztod zu sterben stark an. "Dabei ist es nach neuesten Erkenntnissen egal, aufgrund welcher Ursache die Herzschwäche eingetreten ist. Ob das Herz nach einem Herzinfarkt, nach einer Herzmuskelentzündung oder aus anderen Ursachen geschwächt ist, spielt für die Entscheidung zur Defibrillatorimplantation keine Rolle", erläutert der Kardiologe Dr. Widmaier. Behandelbare Ursachen für eine Herzschwäche oder für Kammerflimmern - wie zum Beispiel Engstellen an den Herzkranzgefäßen - sollten natürlich vor einer Defibrillatorimplantation soweit als möglich ausgeschlossen, bzw. behandelt sein.
Das Einsetzen des Defibrillators erfolgt durch eine kleine Operation in örtlicher Betäubung, bei der nur sehr selten Komplikationen auftreten. Nicht zu verschweigen ist, dass die Elektroschockabgabe durch den Defibrillator unangenehm bis schmerzhaft sein kann. Deshalb wird das Gerät während der Operation in einer kurzen Vollnarkose getestet.
Durch moderne Geräte und moderne Geräteeinstellung können viele früher unumgängliche Schocks heute vermieden werden. Der Alltag des Patienten wird in der Regel nicht beeinträchtigt. Wenn aber doch ein Schock auftritt ist er lebensrettend!

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