Klinikverbund Mittelbayern übernimmt eine Vorreiterrolle

Hans Huber bei Informationsveranstaltung: Ohne Kooperation ist unsere Krankenhauslandschaft nicht überlebensfähig

Pfaffenhofen (lbe) Gemeinsam sind wir stark - dieses Motto gilt auch für den neuen Klinikverbund Mittelbayern GmbH, zu dem sich die Landkreise Pfaffenhofen, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen zusammen geschlossen haben. Und es geht auf Dauer wohl nicht nur um eine Stärkung der beteiligten Kreiskrankenhäuser, sondern letztlich ums Überleben: "Ohne Kooperation ist unsere Krankenhauslandschaft nicht überlebensfähig", stellte Hans Huber, der Geschäftsführer der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung klar und Landrat Rudi Engelhard stimmte zu: "Wir müssen die notwendigen Anpassungen rechtzeitig vornehmen, um radikale Veränderungen zu vermeiden."
Der Klinikverbund Mittelbayern war nach jahrelangen Überlegungen und Vorbereitungen im Herbst 2003 als GmbH mit drei gleichberechtigten Gesellschaftern - den drei Landkreisen - gegründet worden. Geleitet wird die GmbH von drei ebenfalls gleichberechtigten Geschäftsführern: Hans Huber von der Ilmtalklinik, Manfred Wendl, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen und Gunther Schlosser, Geschäftsführer der Krankenhäuser des Landkreises Eichstätt (das sind Eichstätt und Kösching).
Gemeinsam mit "ihren" Landräten Rudi Engelhard (Pfaffenhofen), Dr. Richard Keßler (Neuburg-Schrobenhausen) und Dr. Xaver Bittl (Eichstätt) hatten die drei Geschäftsführer sämtliche Chefärzte, Verwaltungs- und Pflegedienstleiter der beteiligten Krankenhäuser am Montag zu einer Auftaktveranstaltung ins Personalwohnheim der Ilmtalklinik eingeladen. Die Gründe für den Verbund und die weiteren möglichen Entwicklungen wurden an diesem Abend erläutert, außerdem gab es Gelegenheit zu Fragen und Diskussionen und abschließend referierte Dr. Volker Sänger, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Eichstätt, über medizinische Qualitätssicherung. Mit dem Zusammenschluss gehen die drei Landkreise einen völlig neuen Weg, mit dem sie aber offensichtlich bei anderen bereits auf großes Interesse stoßen. So hat zum Beispiel bereits Aichach Interesse bekundet sich anzuschließen und auch andere Krankenhäuser in Neuburg oder Mainburg könnte man auf Dauer womöglich mit ins Boot holen. "Wir sind Vorreiter, denn es gibt für den Klinikverbund bisher keine Vorbilder", erläuterte Landrat Dr. Xaver Bittl und rief dazu auf, dass der Klinikverbund sich offen, mobil und beweglich zeigen müsse.
Dem Zweckverband liege "eine gute Philosphie" zugrunde., meinte Landrat Dr. Keßler, der den Klinikverbund als "Antwort" auf die Entwicklung und die Erfordernisse der Zeit" bezeichnete. Nur durch Zusammenarbeit und nicht durch Konkurrenzdenken könnte man diesen Zeichen der Zeit erfolgreich begegnen, war auch Landrat Rudi Engelhard überzeugt. Da die Menschen immer älter würden und der medizinische Fortschritt samt den erforderlichen Apparaten und der Spezialisierung zunehme, gleichzeitig aber das Geld für die gesundheitliche Versorgung weniger werde, müssten die Krankenhäuser Schwerpunkte setzen, führte Engelhard aus.
"Jedes Krankenhaus hat Stärken und Schwächen, und mit dem Verbund können wir voneinander profitieren", erklärte dazu Hans Huber. Er ging auf die Entwicklung im Krankenhausbereich und in der Gesundheitspolitik ein, die eine Bündelung der Kräfte notwendig machen, und nannte unter anderem jahrelange finanzielle Unterdeckungen und steigende Defizite, eine deutliche Reduzierung der Verweildauern der Patienten im Krankenhaus auf jetzt durchschnittlich 6,2 Tage sowie eine Gesundheitspolitik, die wenig Planungssicherheit gebe.
"Es wird sicher noch schlechter werden", prognostizierte Huber und auch sein Eichstätter Kollege Gunter Schlosser erwartet für die nächsten Jahre eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Situation.
Als primäres Ziel der Kooperation der drei Landkreise nannte Manfred Wendl die Sicherung einer qualitativ hochwertigen, wohnortnahen Krankenhausversorgung in der Region und damit auch die Sicherung der Standorte und der Arbeitsplätze. "Wir müssen in größeren Dimensionen nicht nur denken, sondern auch handeln", fügte Gunther Schlosser hinzu und ging auf die Vorteile von Synergie-Effekten ein. Als Beispiele nannte er zum Beispiel die bessere Verhandlungsposition gegenüber Kostenträgern und Zulieferern, eine gemeinsame Gehaltsabrechnung oder eine gemeinsame Küche, die Nutzung der jeweiligen Fähigkeiten und des Wissens unter anderem in den Bereichen EDV, Hygiene, Arbeitsschutz oder Rechts- und Steuerberatung. Das unterstrich auch Manfred Wendl: "Warum soll ein Krankenhaus zum Beispiel teure Berater einkaufen, wenn ein anderes Haus dieses Know-How schon hat?"

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