"Schmerztherapie"

Chronische Schmerzen - eine eigenständige Krankheit!

Im Rahmen des Gesundheitsforums der vhs referierte Dr. Renate Gähler, über das Thema "Schmerztherapie". Dr. Gähler ist seit Ende letzten Jahres als neue Chefärztin der Anästhesieab-teilung an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen tätig.
"In Deutschland leiden ungefähr 10% der Bevölkerung an chronischen Schmerzen", so Dr. Gähler. Die schmerzbedingten Arbeitsausfälle kosten die Wirtschaft 20 Milliarden Euro pro Jahr. Jedes Jahr nehmen sich 2.000-3.000 Menschen das Leben, weil sie wegen unerträglicher Schmerzen keinen Rat mehr wissen. Chronische Schmerzen sind eine eigenständige Krankheit, die in jedem Fall zu bessern, aber nicht immer einfach zu behandeln ist.
Laut Dr. Gähler sollte die medikamentöse Schmerztherapie heutzutage dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation folgen. Hier wird besagt, daß bei der Schmerzbehandlung zunächst so genannte periphere Analgetika (Schmerzmittel) verwendet werden sollen. Zu diesen Schmerz-mitteln gehören das Aspirin, Novalgin (Metamizol) oder die Rheumamittel Voltaren, Ibuprofen, Vi-oxx, Celebrex oder das Paracetamol (bei Kindern als Fieberzäpfchen verwendet). Wenn damit die Schmerzen nicht ausreichend gestillt werden, gibt man noch so genannte schwache Opioide hinzu. Dies sind zum Beispiel Mittel wie Tramal, Valoron (Tilidin) oder DHC. Kann damit keine ausrei-chende Schmerzlinderung erreicht werden, tauscht man die schwachen Morphine gegen starke Morphine aus. Dazu gehören Mittel wie Temgesic, Morphin, Oxycodon oder Palladon; ferner die Schmerzpflaster Durogesic und Transtec.
In der chronischen Schmerztherapie müssen diese Mittel zu festen Zeiten eingenommen werden, damit die Schmerzen gar nicht erst wieder aufflammen. Ganz wichtig ist ferner, daß niemals schwache und starke Morphine kombiniert werden dürfen, da sich deren Wirkung oft aufhebt. Aus dem gleichen Grund dürfen die meisten schwachen oder starken Morphine nicht untereinander kombiniert werden. Ferner sollte immer bedacht werden, dass fast alle Morphine Verstopfungen hervorrufen. Deshalb muß in den meisten Fällen auch ein Abführmittel eingenommen werden. Hin-gegen verliert sich die anfängliche Müdigkeit und Übelkeit im allgemeinen nach einigen Tagen.
"Chronische Schmerzen werden meist auch durch Streß hervorgerufen", schließt Dr. Gähler. "Folgt einem Streß keine Erholungsphase, in dem der Körper für Ausgleich sorgt, kann das vegetative Nervensystem entgleisen. Dadurch kann es zu chronischen Schmerzen kommen. Hier ist dann eine kombinierte Behandlung von verschiedenen Fachdisziplinen wie Psychologen, Krankengymnasten und Verhaltenstherapeuten notwendig, um die innere Balance des Körpers wieder herzustellen."
Im Anschluss an den informativen Vortrag nutzten viele der interessierten Zuhörer die Gelegenheit, detaillierte Fragen an die Referentin zu stellen.

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