Neues Finanzierungsmodell für Notarztdienst

Zahlen Kreis und Kommunen künftig?/Antrag der CSU-Kreistagsfraktion liegt vor

Pfaffenbofen (ea) "Gibt es im kommenden Jahr noch einen lückenlosen Notarztdienst im Landkreis?" und "Was ist uns der Notarztdienst wert?" Diese Fragen stehen nach den Engpässen beim Notarztdienst in Schrobenhausen und angesichts der bevorstehenden Kürzung der Arbeitszeiten für Klinikärzte im Raum - und sorgen derzeit bei Politikern und. Bürgermeistern für Gesprächsstoff. Denn die CSU-Kreistagsfraktion hat sich bei ihrer letzten Sitzung einstimmig dafür ausgesprochen, dass der Landkreis gegebenenfalls mit Städten und Gemeinden ein Konzept zur Aufrechterhaltung des Notarztdienstes erarbeiten soll. Der Antrag, der am Montag im Kreisausschuss zur Diskussion gestellt wird, sieht außerdem ein sogenanntes "Finanzierungsmodell" vor.
Hinter dem Modell verbirgt sich ein von Landrat Rudi Engelhard ins Gespräch gebrachter Vorschlag, dass Landkreis und Kommunen zusammen in einen Topf einzahlen, um daraus die Notärzte an den Standorten Geisenfeld und Ilmtalklinik vergüten zu können. Ersten Überlegungen zufolge seien rund 100 000 Euro erforderlich, die je zur Hälfte vom Landkreis und den Kommunen mit einem jährlichen Umlagebetrag pro Einwohner - etwa 50 Cent - finanziert werden sollen.
In den Reihen der CSU und bei den Sprechern der übrigen Kreistagsfraktionen hat Landrat Rudi Engelhard bereits kräftig die Werbetrommel für das Modell gerührt und wird den Antrag der CSU-Kreistagsfraktion auch am morgigen Donnerstag bei der Bürgermeisterdienstbesprechung im Landratsamt noch einmal ausführlich mit den Chefs der Städte und Gemeinden diskutieren. "Intern" müssten sich die Beteiligten erst einmal darüber klar werden. ob es sich um einen "gangbaren Weg" handele, so Engelhard, der darauf hofft, dass die Kommunen an einem Strang ziehen. "Die Bürger wollen die Sicherheit, dass sie notärztlich versorgt werden", sagt Engelhard. Auf den Rückhalt der CSU-Franktion kann Engelhard mit dem einstimmig verabschiedeten Antrag bauen: "Wir müssen Vorsorge treffen, falls der schlimmste Fall eintreten sollte", so CSU-Fraktionssprecher Heinrich.
Noch besteht im Landkreis kein Anlass zur Sorge: "Bei uns läuft der Notarztdienst bisher rund um die Uhr", erklärt der leitende Notarzt im Landkreis, Olaf Ruchnewitz. Mit Sorge blickt allerdings auch er in die Zukunft. "Wenn die Krankenhausärzte nicht mehr fahren, würde sich eine Versorgungslücke auftun", schildert Ruchnevvitz das Problem.
Und auch Geschäftsführer Hans Huber von der Pfaffenhofener Ilmtalklinik weiß: "Noch ist die Welt in Ordnung, aber das kann sich schnell ändern." Im Gegensatz zu Schrobenhausen, wo die niedergelassenen Ärzte den Notarztdienst aufrecht erhalten, sichern im Landkreis Pfaffenhofen hauptsächlich rund 30 KIinikärzte den Notarztdienst. Bislang ist das Entgegenkommen der Ilmtalklinik groß: Die Ärzte aus der Chirurgie und der Inneren Abteilung fahren als Notarzt bei Bedarf raus, der Dienst wurde in der regulären Arbeitszeit erledigt. Eine Einteilung, mit der alle zufrieden waren: Schließlich ist es für einen niedergelassenen Arzt nicht möglich, tagsüber seine Patienten in der Praxis warten zu lassen oder die Praxis ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich einfach zu schließen. Außerdem sind Klinikärzte mit der Anwendung von künstlicher Beatmung und Narkosen vertrauter. Der Dienstplan für den Notarztdienst habe sich für die Standorte in Pfaffenhofen und Geisenfeld quasi "wie von selbst ergeben", so Ruchnewitz.
Aber diese Regelung lässt sich mit dem neuen Arbeitszeitengesetz, über das der Bundesrat im Dezember entscheidet, vermutlich nicht mehr halten. Die Zeiten, in denen Klinikärzte nach der regulären Arbeitszeit noch auf der Station den Bereitschaftsdienst übernehmen dürfen, sind dann vorbei. Huber befürchtet, dass die Ärzte nur noch in Schichten von acht Stunden eingesetzt werden dürfen, und somit mehr Personal erforderlich ist. Dann bleibt auch keine Zeit, übrig für Notarzteinsätze.
"Ab dem nächsten Jahr müssen wir uns auf eine neue Situation einstellen", plädiert Landrat Engelhard vor diesem Hintergrund für eine vorausschauende Planung. Tagsüber ließe sich der Notarztdienst wahrscheinlich auch weiterhin über die Ilmtalklinik abdecken, aber für die Nachtschichten müssten neue Ärzte gewonnen werden - und die wollen, so Engelhard, während des Einsatzes auch etwas verdienen.
Die von den Krankenkassen über die Kassenärztliche Vereinigung gezahlte Pauschale beläuft sich auf einen Stundenlohn von tagsüber ca. 4,70 Euro (nachts 8,30 Euro) sowie eine Einsatzpauschale von 85 Euro. Ohne Einsatz verdienen die Notärzte also kaum etwas. Diese Lücke soll im Ernstfall durch das von der CSU vorgeschlagene Finanzierungsmodell geschlossen werden, um in jedem Fall Ärzte für Einsatz im Landkreis Pfaffenhofen gewinnen zu können.

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