Früherkennung von Hörstörungen jetzt auch in Pfaffenhofener Ilmtalklinik

Lions-Club und Medizintechnikfirma spenden ein Screening-Gerät

Die Ilmtalklinik Pfaffenhofen verfügt seit letztem Wochenende über ein hochmodernes Screening-Gerät, mit dem bereits bei Neugeborenen die Hörfähigkeit getestet werden kann. Das Gerät wurde vom LIONS Club Pfaffenhofen-Hallertau, der Familie Höschel und von der Firma Mack Medizintechnik GmbH gespendet.
Diese Firma mit Sitz in Pfaffenhofen, gegründet von Fritz Mack und Norbert Höschel, widmet sich medizinelektronischen Meßsystemen im Bereich der HNO-Heilkunde. Die beiden Firmengründer, die zusammen über 30 Jahre Erfahrung in Bereich der audiologischen Akustik und Neuro-Otologie aufweisen können, haben in diesen vielen Jahren ein hohes Maß an Sensibilität für die Problematik frühkindlicher Hörstörungen entwickelt, die sich in einem umfassenden Engagement ausdrückt.
Dazu gehören auch Sponsoring-Aktionen wie anlässlich der Spende eines Echo-Screen-Gerätes an das Klinikum Filderstadt, der Geburtsstadt von Fritz Mack, das engagierte Sponsoring des Bayrischen Hörscreening-Programms der Uniklinik Regensburg oder die aktuelle Spende an das Pfaffenhofener Krankenhaus, das gleichzeitig Geburtsklinik der beiden Töchter von Norbert und Sabine Höschel ist.

Das Bayrische Hörscreening-Programm stützt sich auf die Mailänder Erklärung von 1998. Darin hatten führende HNO-Experten gefordert, alle Geburtenkliniken mit Hörtestgeräten zur Früherkennung von Hörstörungen auszurüsten. Während einige europäische Länder, wie beispielsweise Österreich, dieses Ziel bereits erreicht haben, gibt es in Deutschland durchaus noch weiße Flecken auf der Screening-Karte.
Vor etwa fünf Jahren begannen die Lions-Clubs vor allem in Bayern an diesem Thema zu arbeiten. Ziel war und ist es alle geburtshilflichen Stationen mit Hörscreening-Geräten auszustatten. Die Ilmtalklinik gehört nun ebenfalls zu denjenigen Krankenhäusern, die am Bayrischen Hörscreening-Programm unter der Schirmherrschaft der Universität Regensburg teilnehmen. Das erklärte Ziel dieses Programms ist eine flächendeckende Versorgung mit Screening-Geräten, um die Auswirkungen von angeborenen Hörstörungen auf ein Minimum zu reduzieren.
Dem Problem der rechtzeitigen Erkennung sprachrelevanter Hörstörungen konnte erst in den letzten Jahren eine zufriedenstellende Diagnostik entgegengestellt werden. Rein statistisch treten Schwerhörigkeiten bei ein bis zwei pro 1.000 (normalen) Geburten auf, bei Risikokindern steigt diese Zahl auf bis zu 40 von 1.000 Geburten. Das heißt in konkreten Zahlen: In Deutschland kommen von den ca. 800.000 pro Jahr (Stand 1998) geborenen Kindern etwa 4.000 mit Hörschäden zur Welt. Gleichzeitig werden Hörbeeinträchtigungen oft erst im dritten Lebensjahr entdeckt. In den meisten Fällen sind es die Eltern, denen der verzögerte und eingeschränkte Spracherwerb ihres Kindes auffällt, manchmal sind es sogar erst die Lehrer, die bei den Kindern diverse Ausprägungen von Lese- und Rechtschreibschwächen feststellen. Eine normale sprachliche Entwicklung ist zu diesem Zeitpunkt kaum mehr möglich - als Konsequenz daraus leidet das Kind ein Leben lang unter den Folgen zu spät erkannter Hörschäden.
Umgekehrt belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass der Beginn einer Sprachtherapie im ersten Lebensjahr - also in einem Alter, in dem die Kinder noch gar nicht sprechen - den betroffenen Kindern den Weg zu einer nahezu normalen Sprachentwicklung ebnet. Gerade in den ersten sieben Lebensmonaten reifen die Hörbahnen eines Neugeborenen - nicht erkannte Hörstörungen haben demnach Auswirkungen auf diesen Reifungsprozeß, die selbst mit technischem Hilfsmitteln nie wieder völlig korrigiert werden können.
So sieht es auch Professor Dr. Erwin Löhle, Professor für Pädaudiologie und Phoniatrie der Universität Freiburg und gleichzeitig Landesarzt für hör- und sprachbehinderte Menschen, wenn er sagt: "Nur eine Früherkennung der Hörstörung im Säuglingsalter gibt dem Kind eine gute Chance, heutige Möglichkeiten der medizinischen Therapie optimal zu nutzen".
Rechtzeitig erkannte Hörschäden wirken sich also sowohl auf die emotionale und soziale Reifung des Kindes als auch auf sein schulisches und berufliches Fortkommen entscheidend aus.

Beim Test des neuen Screening-Gerätes (v.l.n.r.): Gisela Niedermeier mit dem kleinen Simon, Matthias Schmeling, Präsident des Lions-Club, Norbert Höschel, Geschäftsführer der MACK GmbH, und Doris Gerdom, Stationsleitung der Geburtshilfestation.

Die heutige medizinische Messtechnik ermöglicht ein Erkennen von Hörbeeinträchtigungen und Hörstörungen bereits in den ersten Lebenstagen: das sogenannte OAE Echo-Screening die Messung otoakustischer Emissionen - erlaubt auf einfache Weise, die Hörfähigkeit von Neugeborenen zu testen. Bei diesem Verfahren macht man sich das Phänomen zunutze, dass ein funktionsfähiges Innenohr auf einen akustischen Reiz mit der Generierung eines Antworttons, den otoakustischen Emissionen, reagiert. Das kleine, tragbare und mit nur einer Hand zu bedienende Gerät misst diesen Ton und gibt innerhalb weniger Sekunden eine eindeutige Aussage zum Hörvermögen des Getesteten.
Dieses einfache und doch so wichtige Verfahren birgt entscheidende Vorteile für die Neugeborenen, denn die außerordentlich kurze Meßdauer von nur wenigen Sekunden erlaubt den Test sogar in den Nachtstunden am schlafenden Baby und gibt, ohne den Säugling zu stören, in kürzester Zeit das entscheidende Ergebnis.
Sollte bei einem auffälligen Ergebnis dieses auch nach einer Wiederholung der Messung weiterhin festgestellt werden, so ist es im Folgenden Sache des Kinderarztes sowie des Pädaudiologen bzw. HNO-Arztes, eine umfangreiche Untersuchung vorzunehmen, um die genaue Ursache und das Ausmaß der bestehenden Hörstörung festzustellen und im Anschluß daran die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten, um dem Kind ein möglichst normales Leben zu ermöglichen.
Durch diese moderne und sehr zeitoptimierende Technik ist das gespendete Echo-Screen geradezu prädestiniert flür den Einsatz auf der Neugeborenenstation und wird ab jetzt auch in Pfaffenhofen Kindern mit angeborenen Hörstörungen einen vielleicht langen Leidensweg ersparen.

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