VHS-Gesundheitsforum:
"Verstopfung oder Durchfall, was tun?"

Auf großes Interesse stieß die Fortbildung des Gesundheitsforums der VHS in Pfaffenhofen im Januar, bei der Priv. Doz. Dr. Johannes Teufel, Leitender Arzt für Innere Medizin und Gastroenterologie an der Ilmtalklinik zum Thema "Verstopfung oder Durchfall, was tun?", referierte.
Dr. Teufel ging sehr detailgenau auf die Ursachen und vielfältigen Gründe dieser Verdauungsstörungen ein. Er erklärte, dass dieses Thema einen großen Teil der Bevölkerung betrifft und fast sechzig Prozent der betroffenen Personen sich leidlich ohne ärztliche Hilfe mit ihren Problemen selbst behelfen.
Normabweichungen des Stuhlverhaltens können einerseits lediglich eine Befindlichkeitsstörung, zum Teil jedoch Ausdruck einer bedrohlichen Erkrankung sein. Aus Schamgefühl wird der Gang zum Arzt oft erst zu verspätet angetreten.
Verdauungsstörungen sind auch eine volkswirtschaftliche Belastung, da im Laufe eines Jahres in Deutschland z.B. 3,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen Durchfall ausgestellt werden. Die durchschnittliche Arbeitsunfähig-keit betrug 6,14 Tage, schildert der Internist.

 
Priv. Doz. Dr. Johannes Teufel (rechts stehend) referierte beim Gesundheitsforum der VHS in der Ilmtalklinik über das Thema: "Verstopfung oder Durchfall, was tun?".

Im ersten Teil seines Vortrages ging der Referent auf die Anatomie des Verdauungstraktes mit Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, dem drei bis fünf Meter langen Dünndarm und den 1,3 bis 1,5 Meter langen Dick- und Mastdarm bis hin zum Schließmuskelapparat des Afters ein. Die wichtige Aufgabe der Abwinkelung des Enddarmes und der Auslösung des Stuhlreflexes wurden vom Referenten erklärt.
Wann liegt nun überhaupt eine Änderung des Stuhlverhaltens vor?. "Verdauungsstörungen führen zu Änderungen der Zusammensetzung des Stuhles und der Häufigkeit seiner Entleerung. Von Durchfall, medizinisch Diarrhöe, spricht man erst bei mehr als drei flüssigen oder breiigen Stühlen mit einem Gesamtvolumen über 200 ml pro Tag. Eine chronische Verstopfung (Obstipation) liegt vor bei zwei oder weniger Stuhlentleerungen pro Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in Verbindung mit harter Stuhlkonsistenz bzw. Entleerungsbeschwerden" informiert Dr. Teufel.
Treten Durchfall oder Verstopfung akut auf, kann dies Ausdruck einer plötzlichen Erkrankung im Verdauungssystem z. B. durch virale oder bakterielle Infektionen, Durchblutungsstörungen des Darmtraktes oder einer Darmpassagestörung bei Verwachsungen, Brüchen, Tumore etc. sein.
Hauptursachen der chronischen Obstipation der europäischen Bevölkerung sind Mangel an Ballaststoffen, Flüssigkeit, Bewegung sowie die häufige Missachtung des Stuhldranges. Neben einer generellen Ernährungsumstellung mit Betonung des vegetarischen Speiseanteils kann ein nervaler Reiz durch einen kalten Trunk vor dem Frühstück mit ballaststoffreichen Nahrungsmitteln, die zeitliche und örtliche Möglichkeit für eine Stuhlentleerung etwa 30 Minuten nach dem Frühstück oder eine kurze morgendliche Wegstrecke zu einem normalen Stuhlverhalten beitragen.
Frauen leiden in allen Altersgruppen etwa dreimal häufiger an chronischer Verstopfung als Männer. Die Neigung zu Obstipation nimmt im Alter bei beiden Geschlechtern zu.
Eine forcierte Stuhlentleerung in Eile, mit kräftigem Pressen führt auf Dauer nur zu Hämorrhoiden und Beckenbodenschwäche.
Wichtige Hinweise auf die tatsächliche Ursache einer akuten oder chronischen Diarrhöe ergeben sich aus der aktuellen Speisefolge, eventuellen Auslandsaufenthalten, aus einer vorangehenden Einnahme von Medikamenten, der Neigung zu Allergien, aus anderen Erkrankungen der Verdauungsorgane, Darmoperationen, Schilddrüsen- oder anderen Hormonerkrankungen, Bestrahlungen, Abführmittelmissbrauch, aus mit Durchfall erkrankten Personen im Umfeld oder bei Immunschwäche wie z.B. AIDS.
"Da die Ursachen von Durchfall oder Verstopfung neben den genannten Beispielen ausgesprochen vielfältig sind, sollte jede Person, die längere Zeit an einer dieser Störungen leidet das unbegründete Tabu überwinden und einen Arzt zu Rate ziehen".
Im Anschluss an den aufschlussreichen Vortrag nutzten die Zuhörer die Möglichkeit, sich mit persönlichen Fragen an den Dozenten zu wenden.

 
Unser Foto zeigt die Gelassenheit, die sich der Mensch an einem "wichtigen Ort" bei einer wichtigen Tätigkeit angewöhnen sollte. "Auch wenn der Trubel noch so groß zieh dich zurück und lass dich los."
 

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