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Volkskrankheit „Rückenschmerz“ – Fortbildung für Arztpraxen an der Ilmtalklinik
Mit dem Thema „Therapie des lumbalen Bandscheibenvorfalls“ setzte die Ilmtalklinik Pfaffenhofen ihre kostenlose Fortbildungsreihe für Arzthelferinnen und Praxismitarbeiter fort. Marianne Sigl-Wilke von der Pflegedirektion konnte hierzu wieder eine Vielzahl interessierter Besucher begrüßen. Referent des Abends war, Dr. med. Rupert H.-J. Dietl, Neurochirurg und Konsiliararzt der Ilmtalklinik. Dr. Dietl betreibt seit Oktober 2008 eine neurochirurgische Filialpraxis an der Ilmtalklinik und bietet hier von der Diagnose über
die Beratung bis hin zur Operation für den Patienten Alles aus einer Hand.
Der Geschäftsführer der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, Marco Woedl, zeigt sich begeistert,
dass neurochirurgische Patienten nun auch in Pfaffenhofen behandelt und operiert werden können: „In den ersten sechs Monaten seiner Tätigkeit in Pfaffenhofen konnten bereits 96 Patienten statinär und 492 Patienten ambulant behandelt werden“, so Marco Woedl.
Bei über 80 % der erwachsenen Bevölkerung zwischen 25 und 74 Jahren treten im
Laufe des Lebens Rückenschmerzen auf. Selbst Kinder klagen heute oft über Beschwerden. Rückenschmerz kann jedoch verschiedene Ursachen haben. Sowohl ausgehend vom Skelett, den Muskeln und Nerven, als auch psychischen Ursprungs.
Akute Schmerzen im Lendenwirbelbereich bessern sich meist nach einigen Wochen wieder. Halten diese jedoch länger als drei Monate an kann man von einem chronischen Verlauf sprechen. „Die Bandscheibe ist das wichtigste Bauelement der Wirbelsäule“, so Dr. Dietl. „Sie liegt zwischen den Wirbelkörpern und hat durch ihre Verformbarkeit eine Art Stoßdämpferfunktion für unser Skelett“. Ein Bandscheibenvorfall kann auf verschiedene Weise auftreten: Die Bandscheibenprotrusion ist eine degenerative Vorwölbung der Bandscheibe, ohne dass es zum direkten Einriss der Bandscheibenringstruktur kommt. Im Gegensatz dazu wird beim Prolaps, dem „richtigen“ Bandscheibenvorfall der
Faserring der Bandscheibe ganz oder teilweise durchgerissen, so dass der Kern der Bandscheibe austritt. In beiden Fällen drückt das austretende Gewebe auf die Nervenstrukturen und führt somit zum Schmerz.
Typische Symptome sind Rückenschmerzen sowie ein akut ins Bein einschießender Schmerz. Mit fortschreitender Schwere kann es zu Reflexausfällen, Gefühlstörungen und letztlich sogar zu Lähmungserscheinungen kommen. Für eine eindeutige Diagnose ist neben der klinischen Untersuchung vor allem die bildgebende Diagnostik - das Kernspintomogramm -wichtig. Dr. Dietl erläutert die Risikofaktoren: „anlagebedingte“ Faktoren, sowie familiäre Häufung, eine niedrige Schmerzschwelle und die Neigung zu Muskelverspannungen sind ebenso wie falsche Haltung, fehlende körperliche
Betätigung und „bandscheibenbelastende“ Tätigkeiten dafür verantwortlich.“
Bis zu 90 % der Bandscheibenvorfälle können durch eine konservative Therapie
behandelt werden. „Eine angemessene, nicht chirurgische Behandlung ist als Therapie der ersten Wahl anzusehen“, so Dr. Dietl. „Grundsätzlich sollte eine Schmerzlinderung
der Physiotherapie vorgeschaltet werden. Nur ein weitgehend schmerzfreier Patient kann eine wirksame Physiotherapie absolvieren. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten konservativer Therapieanwendungen kann keine Standardlösung angeboten werden.“ Bewirkt eine konservative Therapie, wie z.B. Massagen, Krankengymnastik usw.,
innerhalb von 6 – 8 Wochen jedoch keine deutliche Besserung, muss über eine
Änderung der Therapie, bzw. eine evtl. Operation nachgedacht werden. Indikationen für eine Operation sind neben länger anhaltenden Schmerzen insbesondere zunehmende Lähmungen und Gefühlsstörungen. Bei Störungen der Blasen- und Darmtätigkeit
besteht eine Notfallindikation. sein.
Die offene Dekompression lumbaler Nervenwurzeln, sei es hervorgerufen durch einen Bandscheibenvorfall, oder neuerdings immer häufiger durch eine Spinalkanalstenose, stellt nach wie vor den häufigsten chirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule dar. So genannte minimalinvasive perkutane Verfahren decken nur einen kleinen Teil der Indikationen ab und betreffen meistens Fälle, die ohnehin nicht operativ behandelt
werden sollten. Das operative Ziel der Nervenwurzeldekompression erfolgt unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops. Die Mikrochirurgie der Wirbelsäule erfordert genaue anatomische Kenntnisse und eine ausgefeilte Operationstechnik. Diese sind Voraussetzung für den Behandlungserfolg ebenso wie die korrekte Op-Indikation und Nachsorge.
In etwa 90 % der Fälle werden gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Patienten sind nach der Operation beschwerdefrei oder erleben zumindest eine deutliche Besserung. Nur in ca. 5 % treten Rückfälle auf. Es gibt keinen Nachweis für die Wirksamkeit einer längeren Schonung nach der Operation. Eine möglichst aktive Nachbehandlung mit Krankengymnastik und Rückenschule bringt am schnellsten die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Eine Verordnung von Stützmiedern oder das Aussprechen von längeren Sitzverboten ist heutzutage nicht mehr anzuraten.
„Zusammenfassend kann man sagen“, so Dr. Dietl, „dass der ideale Zeitpunkt für ein operatives Vorgehen oft nicht so einfach festzulegen ist. Der Entschluss für eine OP
sollte daher immer auf einer gemeinsamen Entscheidung von Arzt und Patient
basieren.“
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Dr. Rupert Dietl und Geschäftsführer Marco Woedl.
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